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Content Strategie unverblümt 1.0

Lesezeit: 4 Minuten

Das hier wird brutal ehrlich. Die strikten Deadline-Einhalter, Überkompensierer, Schimpfwort-Verachter und Last-Minute Junky-Gegner unter euch sollten diesen Tab lieber wieder schließen. Geht eine rauchen oder ein Eis essen. Ist eh so schönes Wetter draußen.

Ich für meinen Teil gehöre keiner, der oben genannten Kategorien an und habe den Schritt gewagt. Ich habe mich für den heiß begehrten Studienplatz des Masterprogramms „Content Strategie“ beworben und mich gegen –soweit ich weiß- 100 Mitstreiter durchgesetzt. War zwar n’ Warteplatz, aber egal. Drin ist drin. Zählt trotzdem. Eine von 25. Fuck. Wenn ich gewusst hätte, wie hart das wird, hätte ich mich trotzdem beworben. So worth it. Aber, wie sieht das Leben von jemandem aus, der Vollzeit arbeitet, berufsbegleitend studiert UND einen ausgeprägten Hang zum Hedonismus hat? Eines steht fest: Die schönen Dinge im Leben verschieben sich nach hinten und müssen den Platz räumen für Präsenzwochen, Webinare und Slack. Aber man muss am Ball bleiben. An diejenigen, die noch nicht an ihrer Fluppe ziehen oder am Eis rumlecken: Es ist anstrengend. Fuck. Aber es ist auch unglaublich bereichernd. Ja, es ist das zweite. Und es kommen noch weitere.

„Eau de Content Audit“ versus „Eau de Freiheit“

19:22. Sonnenschein, es ist warm. Die Boys tragen Shorts, die Girls flatternde Röcke. Der Sommer rast in seiner Herrlichkeit auf uns zu. Es riecht nach Sonnencreme, Schweiß und nach Aperol. Wäre dies ein Duft, dann würde ich ihn „Eau de Freiheit“ nennen. Er steigt mir in die Nase, aber ich muss noch warten, ehe ich mich damit einsprühen darf. Ein Semester liegt bereits hinter uns. Noch hat keiner das Handtuch geworfen. Ich denke, das wird so bleiben und das ist auch gut so.

Das Bier wurde für mich schon mitbestellt. Meine Freunde warten. „Hey. Sorry. Ich kann heute doch nicht. Wir haben noch einen Slack-Call und müssen unseren Content Audit besprechen. Ich komm’ vielleicht nach.“ Passiert nicht zum ersten Mal. Spoileralarm: Mein Bier habe ich getrunken. Und es ist nicht bei einem geblieben. Allerdings kam ich zwei Stunden zu spät und wer hätte es gedacht, meine Freunde waren bei meiner Ankunft schon hacke.

Wenn man in Erwägung zieht, ein neues Studium zu beginnen, obwohl man eines bereits erfolgreich hinter sich gebracht hat, dann wird’s nicht easy. Die Batterien sind nur noch halb voll. Das eine oder andere (Feierabend-)Bier muss häufig einer Projektarbeit oder der Erstellung einer Sitemap weichen. Hat man dann noch einen Job, ob Fulltime oder nicht ist irrelevant, kann man Game of Thrones, Stranger Things und The Walking Dead getrost „Adieu“ sagen. Ich möchte mir nicht ausmalen, welche Abstriche mit einem Partner oder Kindern einhergehen. Kann ich gar nicht, muss ich nicht. Mimimimi.

Webinare, Slack-Calls, Projektarbeiten, Präsenzwochen – würde ich meinen Blogbeitrag für eine Suchmaschine optimieren, dann wären das die dazugehörigen Keywords. Gefunden werde ich zwar damit nicht, denn viel Zeit und Platz will ich für sie hier nicht einräumen. Sie beanspruchen in meinem Leben (,Herz und Kopf) schon genügend Raum. Dennoch. Ich lasse den SEO-Vergleich einfach mal so stehen. Für die nächsten zwei Jahre sind das nämlich die Schlagwörter des Alltags eines COS-Studierenden. Oder vier Semester, wenn man so will. Geht irgendwie leichter runter. Öl-gleich.

Webinar Laf [‚love‘]

Webinare. Sie verdienen zweifelsohne ein paar Zeilen. Haben meiner Meinung nach ihre Berechtigung. Der Studiengang würde ohne nicht funktionieren. Die Vortragenden erzählen, wir hören zu. Wir stellen Fragen, die Lehrenden beantworten sie. Reger Austausch. Wie eine Symbiose. Wie Streichholz und Zigarette. Wer was ist, sei mal dahingestellt. Vordergründig ist, dass wir eine enorme Glut entfachen und alle gemeinsam vom Rauch des Wissens profitieren. Ein Segen für Hirn und Lunge. Vorerst.

Dennoch möchte ich tief in meine Schmankerlkiste greifen und etwas Unterhaltsames erzählen. Keine O8/15 Story. Eine, mit ein bisschen Rock’n’Roll, wenn man so will. Oder in meinem Fall mit ein bisschen Techno. Aber eines nach dem anderen.

Ganz ehrlich? Meine Beziehung zu den Webinaren ist eine Hass-Liebe. Im Winter ist es ja ganz nett. Wie eine Sushi-Rolle in eine Decke eingewickelt und auf den Bildschirm unseres prächtigen Mac Books starrend. Fast romantisch. Mit dicken Backen voll von Omas Keksen. In der Hand einen warmen Tee. Ob mit Schuss oder nicht, wer soll es schon merken? Kamera aus, Mikro stumm. Gelegentlich hört man Mampf-Geräusche. Wer hierbei allerdings als der absolute Sieger aussteigt, sind die Raucher. So, da haben wir’s und ja ich habe es schon anklingen lassen – die Lunge bleibt nicht verschont. Hat es schon seit 38 Minuten nicht im Hals gekratzt, macht sich innere Unruhe breit und man beginnt die Tabakreste der letzten „Tschick“ (an dieser Stelle Gruß an Wolfgang Herrndorf und Fatih Akin) zu inhalieren. Höchste Eisenbahn Zooms beste Funktion in Anspruch zu nehmen: „Videoübertragung abbrechen.“

Die Samstage und Sommermonate sind da eher problematisch. Was viele nicht wissen oder scheinen vergessen zu haben, ist, dass Freitags die guten Parties stattfinden. Und diese gehen weder zahm noch nüchtern über die Bühne. „Samstags saufen nur Amateure“ war mal eine Headline irgendeiner Zeitung.

So kann es dem einen oder anderen schon mal passieren, dass er ODER sie um 7:51 nach einem gesitteten Rave nach Hause kommt, sich die Kebapreste aus den Zähnen puhlt und auf der Couch einen nach Erleichterung klingenden Seufzer loslässt bis Whats App einen plötzlich aus dem Delirium holt: „He, wir hom hetz glei Webinar. Des wast schon, oda?“. Fuck. Schlafen gehen? Aufzeichnung ansehen? Jetzt auf’s Ohr hauen zahlt sich ohnehin nicht mehr aus. „Zack“. Der Dosen-Energiedrink des Markführers macht das schon. Diesmal ohne Vodka.

9:19. „Wow. Hätte ich acht Stunden geschlafen, wäre meine Konzentration bestimmt nicht auf diesem Level.“ Innerlich applaudiere ich mir selbst zu, während meine Gedanken in eine bestimmte Richtung abdriften. „Ich habe mal gelesen, dass da Vinci alle vier Stunden 20 Minuten geschlafen hat. Oder waren es vier Stunden jede Nacht? Ich jedenfalls bin seit 36 Stunden wach. Kann ich mich auf Grund dessen mit da Vinci mes…“ 9:51 Fuck. Eingeschlafen. Ich höre noch immer die Bässe des Technos in meiner Brust. Die Waschmaschine des Nachbars klingt wie Techno. Die Geräusche des Notebooks klingen wie Techno. Die alternierende Stimme der Vortragenden klingt wie Techno. „Reiß dich verdammt nochmal zusammen. Wer feiern kann, der kann jetzt auch zuhören. Geht doch nur bis elf.“ Ich atme tief ein und wieder aus und denke: „Fuck. Das, was sie da erzählt, macht wirklich Sinn, es ist interessant. Ich bin so müde, aber am Montag lade ich mir als erstes Sreaming Frog runter und mache einen OnPage Audit für adidas. Hat sich ausgezahlt nicht schlafen zu gehen“. Meine Konzentration ist wieder zurück. Ich öffne Word und tippe voll von neu gewonnenem Energiedrang ein paar Sätze mit. 11:06. Command + S. Adé erstmal.

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