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Content Strategie unverblümt 3.0

Lesezeit: 6 Minuten

Zwei Semester wären geschafft. Das dritte Semester geht nun auch in den Endspurt. Und mal ehrlich – mittlerweile haben viel an (Lebens-)Erfahrung gesammelt, dass wir davon auch ein wenig an unsere Nachfolger weitergeben sollten. Nein! Wir müssen! Denn so können wir sie vielleicht davor bewahren, dieselben Fehler zu machen, die wir uns in Semester Nummer 1 & 2 geleistet haben. Aus diesem Grund widme ich diesen Blogbeitrag COS19, COS20 usw. Weiter nach oben mit der Zahl traue ich mich nicht. Denn wer weiß, wie lange es diesen Studiengang noch geben wird.

Ich möchte  weder schwarzmalen, noch irgendwelchen Gossip verbreiten, aber in den letzten Wochen wurde neben des intensiven Mimimimis vieler (auch meiner einer) wegen der vielen Tasks auch vermehrt darüber diskutiert, dass uns unsere Koryphäe der Content Strategie, Heinz Wittenbrink, verlässt. Zumindest wird er nicht mehr der Leiter des Studiengangs sein und damit geht (zumindest für mich) auch die Frage einher: Wird es noch derselbe Studiengang ohne unseren Ehrenmann Heinz sein? Content Strategie ohne Heinz Wittenbrink… das ist wie wie Heilig Abend oder „Stille Nacht“, wie Star Wars ohne Luke Skywalker oder wie die ein Robbie Williams Konzert ohne herumfliegende Höschen. Wir werden sehen und hoffen zumindest, dass es nicht gleichzeitig das Ende einer Ära bedeutet.

Nun widmen wir uns aber dem eigentlichen Thema dieses Blogbeitrags. Normalerweise spreche ich ja für „Content Strategie unverblümt“ ein Content Warning aus. Diesmal ist das aber nicht notwendig, da der ganze Beitrag ein einziges Rufzeichen wird. Angefangen mit dem apokalyptischen Szenario, wenn Heinz das Institut nicht mehr leitet – doch dieses Thema werde ich von nun an meiden, auch weil es mich traurig stimmt.

Jedenfalls. Im ersten Semester habe ich, denke ich, viele Dinge richtig gemacht und hatte – für meine Verhältnisse – alles gut im Griff. Ich habe mich lediglich auf die Arbeit und die FH konzentriert. Allerdings nicht Workaholic- oder Streber-mäßig, sondern eher alles easy cheesy locker flockig. Heißt so viel wie, ich habe nie wirklich 100 Prozent gegeben (weil ich das eigentlich nie mache), aber ich hatte zumindest wenig Ablenkung. Ich gebe selten 100 Prozent – das ist einfach nicht mein Ding. Mag vielleicht daran liegen, dass ich vom Balkan bin und da geht alles ein bisschen langsamer und unbeschwerter. Die Italiener würden sagen „piano piano“… – heißt auf Deutsch so viel wie „lei kan Stress“. Ehrgeizig sind wir vom Balkan trotzdem. Ob das eine mit dem anderen Hand in Hand geht, kann ich jetzt aber (noch) nicht sagen. Vielleicht ist das auch eine Lektion, die ich im Laufe des Lebens (noch) zu spüren kriege. Hoffentlich auf die sanfte Tour.

Dass im zweiten Semester dann alles anders wurde, mag vielleicht irgendwie auch daran liegen, dass ich verdammt nah an die 100 kam, ohne es mir richtig bewusst zu werden. Somit mögen auch die Tipps beginnen:

Never change a winning job

Von meinem im Juni anstehenden Jobwechsel kann man lesen und zwar auf Content Strategie unverblümt 2.0. Deshalb verschone ich meine Leser nun mit Einzelheiten. Was man bei der Bewerbung in einer großen und bekannten Agentur nicht bedenkt, ist, dass die einen doch tatsächlich nehmen könnten und dass man dann seinen alten Job, den man sehr mag, kündigen und alles, was man sich in den letzten vier Jahren aufgebaut hat, hinter sich lassen muss. Lediglich eine Ad mit einer offenen Stellenausschreibung, die perfekt auf einen zugeschnitten ist und die einem keine Ruhe lässt, ist notwendig und schon verändert sich alles. Und dass obwohl man gar nicht damit rechnet bzw. sich nicht viel dabei denkt, lassen kann man es dann doch nicht. Egal, ob man gerade an einer Projektarbeit schreibt und die Deadline in zwei Tagen ansteht. Man will den Job ja eh nicht, deshalb schreibt man halt alles rein, was man sich nicht trauen würde, wenn es wirklich um etwas ginge. Plötzlich steht man da und muss eine Entscheidung treffen. Schwierig. Noch schwieriger wird es, wenn man sich entschlossen hat, den Schritt zu wagen, berufsbegleitend studiert und gerade am Ende des Semesters im neuen Unternehmen anfängt… Da stellt man sich die Frage, kann man denn noch taktisch ungeschicktere Entscheidungen treffen? Ja, man kann!

Urlaub is’ was für Reiche…

…und ich rede nicht vom Geld. Nicht nur. Denn tatsächlich ist Urlaub ein kostbares Gut, das jenen vorbehalten bleibt, die es nicht nur finanziell, sondern vor allem auch zeitlich verkraften können. Zum einen sollte man sich diesen nur gönnen, wenn man dann noch genügend Urlaubstage für die Präsenztage an der FH hat und zum anderen sollte man wirklich, wirklich sehr bedacht mit dem Zeitpunkt umgehen. Mein Tipp: die letzten zwei Juniwochen im zweiten Semester eigenen sich suboptimal dafür! Warum? Weil man erstens viele viele Webinare und demnach auch Tasks verpasst. Seien wir uns doch ehrlich: An einem so malerischen Ort wie beispielsweise Carvoiero sitzt man lieber am Strand und gönnt sich ein Superbock, als auf einen Bildschirm zu glotzen und jemandem dabei zuzuhören, was ein Programm namens R sein soll. Das Fatale an der ganzen Geschichte: die zwei Wochen fühlen sich an wie zwei Tage, doch das, was man während dieser Zeit verpasst, verfolgt einen dann für die nächsten zwei Monate. Fazit: Lasst es einfach. Denn man verpasst nicht nur unzählige Webinare, nein. Es kann euch unter Umständen auch passieren, dass ihr geplant hattet, rechtzeitig zum letzten Präsenzwochenende zurück zu sein. Wer Murphys Gesetz kennt, weiß ganz genau, daraus wurde nichts. Aus einem vier Stunden Flug wurde ein 17-stündiger Aufenthalt am Flughafen von Lissabon. Aber Gottseidank wurde ich von Tapportugal entsprechend entschädigt und mit dem 10 Euro Gutschein konnte ich mir ganze 1,5 Gin Tonic an der Flughafenbar genehmigen. Das Beste an dem Ganzen war, dass genügend Zeit blieb, dem beliebtesten Hobby des 21. Jahrhunderts nachzugehen: Dem Brainfuck! Ich saß also da, mit einem Gin Tonic in der Hand und dachte darüber nach, wie die Kacke doch eigentlich am Dampfen ist. Denn neben dem Urlaub, den ich mir sowieso nicht leisten durfte, stand in nur drei Tagen der neue Job an und zudem hatte ich auf eine noch viel schlimmere Art und Weise gesündigt. Ich hatte mich verliebt. Dömdömdömdömmmmm.

Liebe, Hiebe, Triebe, Diebe

Alles gut. Ihr könnte euch beruhigen. Diejenigen, die schon länger in einer festen Beziehung sind, haben keinen Grund zur Sorge. Man kennt sich schon, die Honeymoon-Phase ist hoffentlich schon vorbei und man hat ohnehin nicht viel Zeit für den Partner und für irgendeine Art von Drama.

Problematisch wird die Sache, wenn man sich mitten, oder sagen wir am Anfang des Semesters verliebt und das obwohl man an so etwas absolut kein Interesse hatte. Als Erwachsener hat man andere Mal Verliebtheit bereits hinter sich. Und es ist schön. Aber richtig scheiße kann es auch sein – ist wie mit Eiern. Ob sie faul, sind erkennt man erst hinterher.

Mit einer rosaroten Brille auf dem Kopf sieht man eher schlecht als recht und anscheinend kann man auch nicht richtig denken – als ob sie uns mindestens 30 Intelligenzquotienten dümmer macht. Und wenn man dumm ist, dann trifft man auch dumme Entscheidungen. Forrest Gump würde sagen „Dumm ist der, der Dummes tut.“ Und dumme Entscheidungen habe ich im zweiten Semester en masse getroffen. Und zwar mehrere zur gleichen Zeit. Hier eine Zusammenfassung in chronologischer Reihenfolge: Ich hatte mich verliebt, ich hatte meinen Job gekündigt und beschlossen meinen Resturlaub dafür zu nutzen, mit dem Auserwählten nach Portugal zu fliegen und dort so richtig einen auf verliebtes, verrücktes Touri-Pärchen zu machen. Doch im Endeffekt sind wir nun am Strand rumgesessen und haben uns wunderschöne Sunsets und portugiesisches Bier (dass viel Potenzial hat) reingezogen. Und es war schön. Bis es nicht mehr schön war. Murphys Gesetz hatte mich nämlich schneller eingeholt, als mir lieb gewesen wäre. Die Einzelheiten erspare ich jedem, spannender als eine Hollywood-Schnulze (ohne Happy End wohlbemerkt) sind sie eh nicht. Ich werde lediglich zwei Szenen schildern:

Szene 1:

Wien. Irgendwas mit 20 Uhr. Viele Menschen im Flieger. Es riecht komisch und ein paar Kinder schreien herum. Der Flug hat Verspätung. Wir beide haben Platz genommen und warten, dass es endlich losgeht. Keine Sitze nebeneinander wohlbemerkt. Egal. Wir waren verliebt, aber nicht so sehr, dass wir 30 Euro mehr ausgegeben hätten, um ein bisschen Händchen zu halten. Neben mir sitzt eine ältere Dame. Mein Handy klingelt, ich hebe ab und sehe gleichzeitig rüber: „Mein linker Sitz ist frei.“. „Kann ich am Fenster sitzen?“. „Nein.“. „Ich sehe von meiner Seite aus den Sonnenuntergang. Warum sollte ich rüberkommen?“ Er antwortet nicht, sondern hält eine Wurstsemmel hoch.

Irgendwas mit 23 Uhr. Der Flieger landet in Lissabon. Wir wachen beide auf, Händchenhaltend und ich mit dem Kopf auf seiner Schulter. Retrospektiv betrachtet hätte die Szene auch aus Nicolas Sparks Feder stammen können.

 

Szene 2:

Seit Szene 1 sind in etwa elf Tage vergangen. Nicolas Sparks scheint Magendarm zu haben, kotzt wahrscheinlich gerade in einen Mülleimer, deshalb muss ich nun das Ende der Geschichte erzählen. 9:07. Ankunft auf dem Busbahnhof von Porto mit zwei großen Problemen. Ich werde fast ohnmächtig, weil ich dringend auf’s Klo muss und der Bus von Peniche bis Porto keinen Zwischenstopp hatte. Außerdem bin ich gerade am Streiten. Im Prinzip geht es um etwas Triviales. In einer perfekten Welt würde man die Sache einfach belächeln, sie sein lassen oder einfach ein bisschen Gras drüber wachsen lassen. Aber die Welt, in der ich mich gerade befinde, ähnelt eher einer Rektoskopie als etwas anderem. Es fallen Sätze, Anschuldigungen und widerliche Inhalte. Ich erinnere mich nur noch, dass einer zum anderen sagte: „Das ist das Allerletzte. Du bist das Allerletzte.“ Und dann entfernte sich der Rucksack mit den vielen Flaggen, der am Rücken der Person, mit der ich die letzten paar Monate vor mich hingeträumt hatte, immer weiter vom Busbahnhof und schupps konnte ich ihn nicht mehr sehen. Zuerst, weil ich meine Brille nicht aufhatte und dann weil er weg war.

Auch wenn die Entscheidungen zu den Zeitpunkt fragwürdig waren und ich mir viel Ärger erspart hättn, bin ich froh und auch irgendwie stolz, alle Schritte gewagt zu haben, denn erstens muss man dazu Eier haben und zweitens ich habe aus vielen Dingen meine Schlüsse gezogen und hoffe, dass mein Zukunfts-ich davon profitiert und klüger agiert. Die Auswirkungen waren folgenschwer, aber nicht irreparabel. Deshalb bleibt nur zu sagen:

#klugwarsnicht #abergeil

 

 

 

 

 

 

 

 

1 thought on “Content Strategie unverblümt 3.0

  1. Danke 🙂 Um nur zum ersten Teil etwas zu sagen, der mir sehr schmeichelt (von Formulierung zu Formulierung mehr): Ich möchte mich in den nächsten Jahren auf die Inhalte konzentrieren und auch versuchen zu vermitteln, was in der Content-Strategie-Szene gerade stattfindet. Für den Aufbau des Studiengangs habe ich, glaube ich, das an Impulsen gegeben, was ich geben kann – wenn sich da jetzt jemand anders mit voller Energie einbringt, ist das sicher besser. Aber ich bleibe dabei, und ich werde sicher mehr Zeit für Content haben als bisher.

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