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Work-Life-Study Balance

Lesezeit: 5 Minuten

Mein neues Leben:  Student der nebenbei auch arbeitet bzw. Verantwortlicher für den Bereich Marketing im Unternehmen, der nebenbei auch studiert.

Spoiler Alarm: Alle die sich hier einen netten und nur positiven Bericht wie toll und einfach das ja ist erwarten – werden enttäuscht. It’s a real life story.

Männlich – 37 – berufstätig – studiert

Vor nicht ganz einem Jahr habe ich mich dazu entschieden mich für ein berufsbegleitendes Studium zu bewerben. Nachdem ich bereits mein erstes Studium berufsbegleitend absolviert habe – hatte ich zumindest eine Vorstellung, was es heißt berufsbegleitend zu studieren. Zu arbeiten, zu studieren und nebenbei die gesellschaftlichen „Verpflichtungen“ nicht ganz zu vernachlässigen ist natürlich eine Herausforderung. Nachfolgend habe ich die für mich wesentlichen Erkenntnisse aus diesen ersten 8 Monaten zusammengefasst.

Key Fact Nr. 1 – Nicht alle werden es verstehen

In meinem Freundes-, Bekannten und Familienkreis war in erster Linie breites „Unverständnis“ vorhanden. Warum tust du dir das an – du hast ja schon deinen Abschluss. Und das noch berufsbegleitend – da bleibt dir ja gar keine Zeit mehr … – Meine Antwort darauf: Na ja, weil ich es kann 😉

Ehrlich gesagt – habe ich schon vor 2 Jahren mit einem weiteren Studium geliebäugelt. Gerade der Onlinesektor hat es mir angetan. Auf der Suche nach einem passenden Studium, welches meine Vorstellungen abdeckt bin ich dann auf das Content Strategy Studium in Graz gestoßen und habe kurzerhand den Entschluss gefasst mich dafür zu bewerben:

  • Unterlagen aktualisiert –
  • alles eingereicht –
  • und kurz darauf sitze ich schon vor Heinz, Jutta und Lea beim mündlichen Aufnahmegespräch.

Key Fact Nr. 2 – Zeit wird kostbarer

Wissen Sie es eigentlich was es heißt berufsbegleitend zu studieren. Im ersten Moment habe ich mir gedacht – he – hab’ ich schon – natürlich. Jutta blieb im Aufnahmegespräch hartnäckig – wissen Sie schon, dass hier viel Zeit zu investieren ist. Logo – hab’ ich schon gemacht – kenn ich. Was für mich im ersten Moment glasklar war ist nun ehrlich gesagt – im zweiten Semester doch eine Herausforderung. Denn studieren ist nicht gleich studieren 😉 Kling im ersten Moment etwas verwirrend – wird einem nach einer kurzen Erklärung wieder viel klarer.

Natürlich war mir bewusst, dass berufsbegleitend zu studieren kein Kinderspiel ist. Zeiten gehören genau getaktet / die Freizeit wird knapp – aber man hat ja Energie / hat den Willen es zu machen / das treibt an. – Ja stimmt, aber als ich vor nun über 14 Jahren mit meinem ersten Studium begonnen habe – war ich noch jünger, mit mehr Elan – aber was noch viel wichtiger ist – meine Position im Unternehmen war eine andere. Damals war ich noch Sachbearbeiter in einer Abteilung. Heute leite ich eine Abteilung. Die Verantwortung, der Zeitaufwand und natürlich auch der Energieaufwand ist ein ganz ein anderer geworden. Darüber hinaus ist es heute nicht mehr so easy einfach bis 2 in der früh zu „lernen“ und dann um 6 wieder aufzustehen und mit vollem Elan in die Arbeit zu fahren. Denn der nun – ich muss es mir eingestehen – doch „ältere Mann“ braucht mehr „Erholung“ als damals.

Key Fact Nr. 3 – It’s all about Online

All diejenigen, die hier an ein traditionelles Studium an der Fachhhochschule in schönen großen Klassenzimmern denken – weit gefehlt. Das Studium beschäftigt sich nicht nur mit der Wissensvermittlung über Strategien im Web. Es findet auch zum Großteil darin statt. D.h. neben unseren Vorlesungen, die als Webinare abgehalten werden, läuft auch die Kommunikation unter uns Studenten zum Großteil in der digitalen Welt ab.  Neben einer doch wesentlichen Zeitersparnis (man muss nicht zur Uni hin- und retourfahren) – hat das Leben in der „virtuellen Uniwelt“ auch seine Vorteile (siehe dazu auch Silvias Beitrag: Four things I do during a webinar). Aber keine Angst – es ist nicht ganz unpersönliche. Pro Semester gibt es zwei Präsenzwochen und 2 Präsenzwochenenden, wo auch wir das traditionelle Studentenleben gemeinsam genießen dürfen.

Key Fact Nr. 4 – English is sometimes a bitch …

Eine zu Anfangs größere Herausforderung war, dass das Studium zum Großteil in Englisch stattfindet. Wo anfangs noch Eingewöhnungsphasen notwendig waren, da ich doch die letzten Jahre nur unsere Muttersprache benötigt habe – kommt man dann aber doch sehr schnell wieder ins „Englische“ rein. Ehrlich gesagt war das Verstehen von Beginn an kein Problem – und wo anfangs noch Schwierigkeiten in der Sicherheit beim Kommunizieren waren – wird nun das Vertrauen in einem selbst nun auch besser – letztendlich mach ja Übung den Meister. Positiv (sowohl für die eigene Übung) sind hier unsere internationalen Vortragenden hervorzuheben. Egal ob Roger, Lisa, Rahel … – es ist ein Genuss ihnen zuzuhören. Auch der eine oder andere Lehrende deutscher Muttersprache kann mit seinem Englisch gut überzeugen. Herausfordernd wird es dann, wenn Deutschsprechende in einem Englisch unterrichten, wo es einem wirklich schwerfällt sowohl der Aussprache als auch in weiterer Folge dem Inhalt zu folgen. Und dann wird es auch für mich wieder anspruchsvoller. Teilweise wäre es dann doch besser diesen Grundsatz Vorträge auf Englisch zu halten zugunsten der Vortragqualität über Bord zu werfen.

Key Fact Nr. 5 – “Study as Unusal”

Und nun kommen die zwei wirklichen großen „Burner“. Der Praxisbezug und die hervorragenden Vortragenden aus der Praxis. Es gab bis dato kaum eine Vorlesung, von der ich nichts für mein Berufsleben mitnehmen konnte. Im Gegenteil – alles ist wirklich sehr praxisnahe aufgebaut. Der theoretische Background wird sofort mit praktischen Beispielen veranschaulicht. Tools und Gadgets für das Alltags-Berufsleben werden vorgestellt – und in Projektgruppen das erlernte auch sofort praktisch gefestigt. Neben dieser äußert sinnigen und nützlichen praktischen Ausrichtung sind hier auch alle Vortragenden ein große Plus. Denn sie kommen nicht nur Großteils aus der Wirtschaft, sie üben die Bereiche, die sie uns lehren auch im Alltag aus. Letztendlich lernt man doch am besten von jenen, die es tagtäglich machen.

Key Fact Nr. 6 – Struktur ist nur etwas für Weicheier

Darum leben wir im Content-Strategie Studium auch im Chaos 😉 / So schlimm ist es natürlich auch nicht, aber man merkt, dass es sich hier um einen relativen neuen Studiengang handelt. So sind Dinge, die ich von meinem alten Studium in Bezug auf strickte und straffe Strukturen – auch in der Organisation – gewohnt war – hier nicht so strikt bzw. organisiert anzutreffen. Die Qualität der Vorlesungen hebt aber diesen Nachteil wieder auf.

Key Fact Nr. 7 – Wir sind eine große internationale Familie 😉

Abgesehen von einem wirklich interessanten, zusammenschweißenden, internationalen „bunch of students“ – ist auch die Kommunikation mit unserer Studiengangsleitung, dem Backoffice und allen Vortragenden sehr locker und für mich ungewohnt. War ich es in meinem letzten Studium gewohnt, dass sich Studierende und Lehrende mit Distanz begegnen ist hier alles offen und viel familiärer (Wobei es für mich Anfangs wirklich eine extreme Umstellung war unseren Studiengangsleiter zu duzen).

Conclusio: Ich bin wirklich froh mich für dieses Studium entschieden zu haben. Obwohl der Zeitaufwand groß ist, viel Energie benötigt wird, nehme ich doch sehr viel aus den Vorlesungen für mich und mein Berufsleben mit – das treibt an. Zeiten werden rar – die Wochenenden oft für Projektarbeiten oder ähnliches verwendet. Es bedarf somit eines guten Zeitmanagements, damit auch der für mich wichtige private soziale Bereich nicht zu kurz kommt. Für meine Arbeit ist es eine Bereicherung. Ich kann mein Wissen 1:1 in meine Abteilung mitnehmen – und dabei schon die eine oder andere Vorlesung in mein Arbeitsleben einfließen lassen bzw. das eine oder andere an der FH kennengelernte Gadget auch im Firmenalltag nutzen.

 

Bernd Walter

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